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Aus für Redaktionen der Westfälischen Rundschau
Zeitungstitel wird weitergeführt. 120 Journalisten verlieren ihren Arbeitsplatz.

(Essen/Dortmund, den 15.1.2013) Die "Mediengruppe WAZ" löst die Redaktionen einer ihrer vier Tageszeitungs-Titel auf. Ab Februar 2013 soll die Westfälische Rundschau (WR) ohne eigene Redaktionen auskommen. Damit verlieren 120 Mitarbeiter zuzüglich freie Journalisten und Pauschalisten ihren Arbeitsplatz. Der Zeitungstitel selbst soll jedoch weitergeführt werden. Eine Tageszeitung ohne eigene Redaktion? Geht das überhaupt? Medien-Experten sehen diese Sparmaßnahme als einen 'Abschied auf Raten' und bezweifeln, das diese Umstrukturierung langfristig den gewünschten Erfolg bringt.

Der 'Mantel' wird ab Februar von der Zentralredaktion der WAZ-Gruppe geliefert, lokale Inhalte kommen von der WAZ-eigenen "Westfalenpost" und den "Ruhr Nachrichten" aus dem Dortmunder Medienhaus Lensing, vom "Hellweger Anzeiger" in Unna und vom Märkischen Zeitungsverlag in Lüdenscheid, der zur Verlagsgruppe Ippen gehört.

"Wir werden alles daran setzen, diesen Arbeitsplatzabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten", erklärte WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus in einer Pressemitteilung. Die betroffenen Mitarbeiter wurden bereits auf einer internen Versammlung informiert. Auch darüber, das es einen Sozialplan gibt, der gestaffelt nach Alter und Betriebszugehörigkeit - Abfindungen vorsieht.

Grund für die Entscheidung zur Auflösung der Redaktionen ist der enorme Kostendruck, unter dem die Mediengruppe WAZ derzeit steht. Nach Mitteilung der Geschäftsführung soll die WR in den letzten Jahren ca. 50 Millionen Euro Verlust eingefahren haben. Wurden Verluste in den vergangenen Jahren noch von den Gesamterlösen der Mediengruppe mitgetragen, so scheint dies in Zukunft nicht mehr möglich zu sein. Hinzu kommt, das die Prognosen für 2013 hinsichtlich Abonnentenzahl und Anzeigenerlöse weiterhin negativ beurteilt werden, und somit zu weiteren Verlusten führen. Durch die Streichung von 120 Arbeitsplätzen will man vermeiden, das die defizitäre Lage der WR auf Dauer die Zukunft des Gesamtunternehmens gefährdet.

Die anderen drei WAZ-Titel in NRW, die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ), die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ) und die "Westfalenpost" (WP) schreiben laut Verlagsmitteilung schwarze Zahlen. Alle vier Zeitungen haben eine Gesamtauflage von täglich ca. 700.000 Exemplare. Die WAZ-Gruppe beschäftigt ca. 13.000 Mitarbeiter und ist auch in Thüringen, Niedersachsen, Österreich und Osteuropa aktiv. Sie verlegt mehr als 30 Tages- und Wochenzeitungen, 170 Illustrierte und Fachzeitschriften sowie Anzeigenblätter und Kundenzeitschriften. Hinzu kommen ca. 20 Lokalradio-Stationen. Der Umsatz lag 2011 bei 1,1 Milliarden Euro. (ks)

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